ADHS vs. Schule

Vom ADHS-Schulkampf zum Lerngewinn: Tipps & Strategien

Sie erkennen es oft an den Hausaufgaben, nicht im Zeugnis: Das Kind kann den Stoff - aber der Weg dorthin ist jeden Tag ein Hindernislauf...

...Hefte verschwinden, Aufgaben werden halb angefangen, Geräusche ziehen die Aufmerksamkeit weg wie ein Magnet. Und am Ende steht nicht nur Frust, sondern auch die leise Frage: „Warum klappt Schule bei anderen scheinbar einfach - und bei uns nicht?“

Wenn Sie nach „adhs schule“ suchen, wollen Sie wahrscheinlich keine Theorie. Sie möchten, dass der Alltag funktioniert - mit mehr Fokus, mehr Ruhe und mehr Geduld. Genau darum geht es hier: Was im Unterricht und zu Hause praktisch hilft, welche Stellschrauben oft übersehen werden - und worauf es am Ende ankommt.

ABC Pluesch- oder Bausteineset Ansehen

ADHS Schule: Warum Unterricht so anstrengend sein kann

Schule ist ein Dauer-Test in genau den Bereichen, die laut ADHS-Theorie häufig wackeln: exekutive Funktionen. Das sind Skills wie Starten, Dranbleiben, Priorisieren, Impulse bremsen, Arbeitsgedächtnis nutzen und Zeit einschätzen.

Nur: Warum überragt das ADHS-Kind dann in seiner Lieblingsdisziplin mühelos die Meisten? Weshalb weiss und kann es dort Dinge, obwohl scheinbar "im Unterricht nicht aufgepasst? Wie kann es dort stundenlang fokussiert dranbleinben, während andere Kinder nach 30 min pünktlich den Bettel schmeissen? ("habe alles gemacht, was wir müssen").

Das hat nichts mit Intelligenz oder Motivation zu tun. Es ist eher so: Das Gehirn weiss, was zu tun wäre - aber die „Starttaste“ und die „Autopilot-Funktion“ reagieren schlicht nicht auf den subjektiv unattraktiven Reiz. "Das geht doch bei Mathe/Diktat allen so" stimmt eben nicht. Neurologische Forschung zeigt, dass gewisse Areale im Gehirn bei ADHS oft schlicht nicht feuern (keine Signal-Übermittlung). Oder es werden sogar die Schmerz- und Angst-Zentren aktiv (bis hin zu körperl. Beschwerden wie Kopfweh oder Schwitzen, Kloss im Hals/Bauch usw.).

Und der andere Fall, das ADHS-Kind im Hyperfokus? JA, dann geht allerdings ein ganzes Konzert im kindlichen Gehirn ab. Und gleichzeitig wird der Fokus eng wie ein Tunnel/präzise wie ein Laser.

GENAU dieses "ON oder OFF, nichts dazwischen" ist es, was ADHS-Kids in der Schule zum Verhängnis werden kann (oft wird, so oder so).

Mathenboxen

Zu viele Eindrücke aufs Mal, zu grober Filter

Dazu kommt ein zweiter Faktor, der unterschätzt wird: Reizmanagement. Klassenzimmer sind laut, voll, visuell unruhig, sozial komplex. Für viele ADHS-Kinder ist das wie Lernen in einem Raum mit ständig wechselndem Radiosender. Manche kompensieren das und wirken „unauffällig“, zahlen aber mit Erschöpfung, Meltdowns nach der Schule oder Schlafproblemen (ihre innerliche Nervosität sieht kaum jemand).

Wichtig ist auch: ADHS zeigt sich nicht bei jedem gleich. Manche sind eher „zappelig“ sichtbar, andere eher verträumt, langsam, "abwesend". Und manchmal liegt das Hauptproblem gar nicht im Unterricht, sondern in den Übergängen: Morgenstart, Umziehen, Pausenende, Hausaufgabenbeginn.

Was Lehrkräfte sofort beobachten können (ohne zu pathologisieren)

Viele Konflikte entstehen, weil Verhalten als Absicht gelesen wird: „Er will nicht“, „Sie ist faul“, „Er provoziert“. In ADHS-Logik stimmt das selten. Häufiger ist es: „Er kann gerade nicht so, wie er sollte.“

Ein hilfreicher Perspektivwechsel ist, Verhalten als Signal zu sehen. Zum Beispiel kann Reinrufen Impulsivität sein - oder der Versuch, Anschluss zu halten, bevor der Gedanke weg ist. Herumlaufen kann Unruhe sein - oder Selbstregulation, weil die Bewegung den kindlichen Fokus erst möglich macht.

Schulkarate

Lehrkräfte müssen keine Diagnose stellen. Sie können Muster erkennen: Wann kippt die Aufmerksamkeit? Welche Aufgabenform triggert Überforderung? Wie wirken Geräusche, Sitzplatz, Gruppenarbeiten? Diese Beobachtungen sind Gold wert für Gespräche mit Eltern und für individuelle Anpassungen. Exakt der Weg der Beobachtung und Feinabstimmung wurde von der ital. Ärztin Maria Montessori vorgezeichnet.

Struktur, die trägt: Weniger „Disziplin“, mehr Design
Bei ADHS wirkt Struktur nicht als Kontrolle, sondern als Entlastung. Gute Struktur macht das Richtige leichter und das Falsche weniger wahrscheinlich. Alles hat seinen Ort. Gewisse Bereiche sind tabu zu gewissen Zeiten. Auf Leistung folgt Rückmeldung - auf Fehler genauso.

Starten ist oft die härteste Hürde: Viele Kinder scheitern nicht am Denken, sondern am Anfangen. Hilfreich sind Mikro-Einstiege: „Lies die ersten zwei Sätze“. "Lös die Aufgabe 1 in der Zeile 2". Hat es funktionier? Meist wird dann von selbst weitergemacht. Nicht? Dann kann das Diktat oder die Mathe-Aufgaben zum Spiel werden. Mittels guter Ideen oder passender Lehrmittel. Doch genau dort sind Lehrer und Eltern (und ihre Kreativität) am meisten gefragt.

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Auch Routinen helfen - aber nur, wenn sie visuell erfassbar und wiederholbar sind. Mündliche Anweisungen verpuffen schnell. Ein kurzer, sichtbarer Ablauf an der Tafel („1 Heft raus, 2 Datum, 3 Aufgabe abschreiben“) reduziert Diskussionen und spart Zeit.

Zeit sichtbar machen statt nur sagen. "Du hast 10 Minuten“ ist für viele ADHS-Kinder zu abstrakt. Ist es nicht sogar für alle Kinder zu abstrakt? Wenn Zeit sichtbar wird, sinkt der Stress und die Selbststeuerung steigt. Das gilt im Unterricht genauso wie bei Hausaufgaben.

Aufgaben aufteilen statt „Mach alles für morgen, bis um 4“. Grosse Arbeitsblätter sind ADHS-feindlich, selbst wenn sie fachlich leicht sind. Besser: klare Abschnitte mit Checkpoints. „Mach bis Aufgabe 3, dann kommst du kurz nach vorne.“ Das ist nicht Bevorzugung, sondern Barrieren-Abbau (Belohnungs-Schleife, Dopamin-Ausschüttung).

Reize reduzieren, ohne das Kind zu isolieren: ADHS heisst nicht, dass ein Kind immer Ruhe braucht. Oft genug brauchen sie sogar viel Input, um fokussiert zu bleiben. Aber das bedeutet eben nicht "von allem etwas - und am besten gleichzeitig". Denn wenn der ADHS-Fokus mal irgendwo eingerastet ist, ist es geradezu schmerzhaft, wieder etwas anderes tun zu müssen. Häufig sind ADHSler Spezialisten - dafür aber mit einem sehr weiten Blick innerhalb des Fachgebiets. Und mit dem Gespür für Zusammenhänge.

Fechtkampf

Ein paar Stellschrauben, die im Schulalltag schnell wirken können

- Sitzplatz mit weniger Durchgangsverkehr (nicht zwingend „ganz vorne“, sondern weniger Bewegung im Augenwinkel)
- visuelle Unruhe reduzieren (nicht das ganze Pult voller Materialien)
- klare Signale für Lautstärke und Übergänge
- kurze Bewegungsfenster, die nicht als Strafe wirken („Botengang“, Tafel wischen, Material holen)

Bei Geräuschen lohnt sich ein ehrlicher Blick: Manche Kinder sind nicht „empfindlich“, sie sind dauerhaft überreizt. Wenn ein Kind bei jeder Stuhlbewegung hochfährt, ist das kein Trotz. Dann braucht es Strategien, die Reizlast senken - manchmal auch mit technischen Hilfen (z.B. ANC-Kopfhörer).

Selbstregulation im Klassenzimmer: Bewegung und Hände beschäftigen. Viele ADHS-Kinder regulieren sich über Bewegung. Das heisst nicht, dass sie den Unterricht sprengen müssen. Es heisst: Regulation darf einen Platz bekommen.

Unauffällige Möglichkeiten sind kleine Hand-Tools, ein Knetobjekt oder in „Fidget“, das leise ist - und nicht zur Spielshow wird. Wichtig ist die Regel: Es dient dem Zuhören, nicht dem Entertainment. Lehrkräfte können das klar rahmen und testen, ob es Fokus verbessert oder eher ablenkt. Es gibt Kinder, bei denen das super wirkt - und andere, die dadurch noch mehr abschweifen. Hier gilt wirklich: ausprobieren, beobachten, anpassen. Als Faustregel: Bälle zur progressiven Muskelrelaxation HELFEN und sind leise. Sogar im US-Militär wird dieses Prinzip eingesetzt (Fäuste ballen und entspannen, Fingerhanteln, Ganzkörper-Anspannung/Entspannung).

Auch taktile oder motorische Mini-Aufgaben können helfen: Heftklammern entfernen, Karteikarten sortieren, Stifte nach Farben ordnen - solange es den Unterricht nicht stört. Wichtig hier: Bewegung ist keine Zwangspause. Bewegung zwischendurch ist zentral, damit auch das Gehirn sich "bewegen" mag.

Kommunikation, die nicht eskaliert: Wenn Schule schwierig ist, wird viel geredet - und trotzdem wird es häufig nicht besser. Oft, weil die Kommunikation an der falschen Stelle ansetzt.

"Warum" ist selten die beste Frage

„Warum hast du das nicht gemacht?“ klingt logisch, ist aber für viele ADHS-Kinder eine Falle. Sie wissen es selbst nicht sauber. Besser sind Fragen, die zur Lösung führen: „Was hat dich gestoppt?“ „Was war der erste schwierige Moment?“ „Was hätte dir geholfen, anzufangen?“

Lob für Strategie statt nur Ergebnis

Wenn ein Kind es schafft, den Stift rauszuholen, die Aufgabe zu markieren oder nachzufragen, ist das ein Erfolg. Diese Mini-Erfolge sind die Bausteine für Selbstwirksamkeit. Noten kommen oft später.

Konsequenzen: kurz, klar, ohne Drama

Konsequenzen funktionieren bei ADHS nur, wenn sie zeitnah, verständlich und machbar sind. Lange Strafkataloge bringen selten Verhaltensänderung, aber viel Scham. Das Ziel sollte nicht „mehr Druck“, sondern „mehr Steuerbarkeit“ sein.

Hausaufgaben: Der zweite Schultag am Küchentisch

Viele Familien erleben nachmittags den eigentlichen Kampf. Die Schule hat Energie gekostet, der Akku ist leer - und trotzdem soll Leistung kommen.

Diese 3 Prinzipien machen es oft deutlich leichter

Erstens: Pausen sind kein Bonus, sondern Voraussetzung. Ein 10- bis 20-minütiger Übergang mit Snack, Bewegung oder Ruhe kann den Unterschied machen.

Zweitens: Hausaufgaben brauchen in Setup. Gleicher Ort, gleiche Start-Routine, möglichst wenig Materialsuche. Wenn das Kind erst 15 Minuten nach dem Radiergummi suchen muss, ist der Fokus schon weg.

Drittens: Erwachsene sind nicht „Kontrolleure“, sondern Co-Regulatoren. Gerade bei jüngeren Kindern ist gemeinsame Strukturierung normal: Aufgaben sortieren, Start helfen, kurze Check-ins. Das ist keine Verwöhnung, das ist Lern-Coaching.

Wenn Anpassungen offiziell werden: Nachteilsausgleich & Co.

Viele Eltern zögern, weil sie keine „Sonderrolle“ wollen. Verständlich. Gleichzeitig kann ein sauber formulierter Nachteilsausgleich Konflikte reduzieren und dem Kind faire Bedingungen geben.

Typische Massnahmen sind mehr Zeit bei Prüfungen, ein ruhigerer Prüfungsraum, Aufgaben in kleinere Einheiten oder die Möglichkeit für kurze Bewegungspausen. Was möglich ist, hängt stark vom Gesetz, der Schule und der Diagnose-/Dokumentationslage ab. Deshalb lohnt sich das Gespräch mit der Klassenleitung, Schulpsychologie oder zuständigen Fachstellen.

Wichtig: Nachteilsausgleich ist keine Notengarantie. Es ist ein Versuch, die Leistung zu messen - nicht die Reiztoleranz oder Startschwierigkeit.

Praktische Tools, die Fokus, Ruhe und Geduld unterstützen können

Tools sind kein Ersatz für Beziehung, Pädagogik oder Therapie. Aber sie können den Alltag spürbar leichter machen, wenn sie gezielt eingesetzt werden.

Ein visueller Timer hilft vor allem bei Übergängen: „Noch 5 Minuten, dann beginnt Mathe.“ Das reduziert Diskussionen, weil nicht mehr Erwachsene „drängen“, sondern Zeit sichtbar wird.

Leise Fidget-Tools können das Zuhören stabilisieren, wenn das Kind sonst über Bewegung regulieren müsste. Hier sind Qualität und Geräuscharmut entscheidend - sonst wird es zum Klassen-Trigger.

Aktiv lärmdämpfende Kopfhörer können bei bestimmten Kindern den Reizpegel so weit senken, dass Arbeiten überhaupt erst möglich wird, zum Beispiel in Stillarbeitsphasen oder bei Tests. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass sie nicht zur dauerhaften sozialen Abschottung werden. Ein klarer Rahmen („nur bei Stillarbeit“, „nur bei bestimmten Aufgaben“) ist oft die beste Lösung.

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Montessori Linking Cubes – Mathe und Bauen geht zusammen

Häufig vergessen: Emotionen sind ein Teil von Leistung

ADHS in der Schule ist nicht nur ein Aufmerksamkeits-Thema. Es ist auch ein Emotions-Thema. Viele Kinder erleben täglich Korrektur, Ermahnungen, verpasste Details. Das kann sich anfühlen wie „ständig falsch sein“, selbst wenn niemand es so meint.

Deshalb ist ein zentraler Hebel: Scham reduzieren. Das geht über Sprache („Du hast es noch nicht geschafft“ statt „Du bist…“), über realistische Ziele und über das Feiern von Fortschritt, nicht nur von perfekten Ergebnissen.

Manchmal ist der mutigste Schritt, einfach das Tempo beim Kind rauszunehmen. Nicht jede Woche muss optimiert werden. Manchmal reicht es, eine einzige Stellschraube zu drehen - Sitzplatz ändern, Timer einführen, Aufgaben in zwei Portionen teilen - und erst dann weiterzuschauen.

KungFu Bruch

Wenn Schule gerade schwer ist, heisst das nicht, dass es so bleiben muss. ADHS braucht weniger Druck und mehr passende Rahmenbedingungen. Sobald der Alltag das Kind nicht mehr dauernd überfordert, wird Lernen wieder das, was es sein darf: eine spannende Beschäftigung.

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